Montag, 29. April 2013

Raerith 2

Das war einfacher als gesagt. In einer seltsamen Umgebung zu überleben ist das eine, aber in einer Umgebung zu überleben die einen geradewegs ins Verderben stürzt ist etwas anderes.
Ich hatte schon vieles über diesen Ort gehört. Zwar ist noch nie jemand zurückgekehrt, doch die Leute erzählten alles Mögliche. Die meisten meinten alles sei dunkel und böse, die anderen behaupteten hier gäbe es nur wunderschöne Jungfrauen. Wer sollte so etwas denn bitte glauben?
Aber die meisten waren sich einig: Man konnte hingehen wo hin man wollte, die Richtung einschlagen die man wollte, die Dunkelheit würde einen immer zu Raeriths Schloss führen. Kein entkommen.
Ich hoffte inständig, dass das nicht stimmte. Dann könnte ich wenigstens noch ein bisschen weiterleben, zusammen mit Isac ... Aber jetzt war es zu spät, jetzt würde nicht einmal er einmal weiter leben können.
"Du solltest dir nicht so zu Herzen nehmen, dass man dich ausgewählt hat."
"Das ist reichlich schwer. Es ist einfach ein elternloses Mädchen zu ofern, anstatt seine Angehörigen."
"Wohl wahr." Jetzt schwieg er. Vielleicht hatte er ja gemerkt wie unglaubwürdig das war. Man hatte mich genau aus diesem Grund geopfert. Keiner kümmerte sich um Waisen. Sie hätten zwar alles getan damit die Dunkelheit das Dorf verschonte, aber so war es für alle das Einfachste. Außer für mich. Aber das interessierte eh niemanden.
Außer vielleicht Isac. Warum war er mir gefolgt?
Hand in Hand gingen wir weiter. Wir erreichten den Wald und liefen geradewegs hinein. Nirgends gab es einen Weg oder einen Pfad. Trotzdem war das vorankommen nicht allzu schwer, da es kein ordentlich dichtes Gestrüpp gab.
Ich fror. Sobald die Helligkeit verschwand wurde es kalt. Nicht, dass ich eine Sonne am Himmel gesehen hätte, aber es wurde dunkel. Und kalt.
Das einzige was ich trug waren leichte Sandalen und ein Kleid. Man opferte schließlich nichts hässliches.
"Lass uns hier übernachten," sagte Isac.
Wahrscheinlich war das hier der beste Ort dazu, dachte ich mir. Eine kleine Lichtung mit Moos. Wenigstens hatten wir es bequem. "Hier!" Isac gsb mir seine Jacke und ich nahm sie wortlos an. Mir war nicht gerade danach mich mit ihm zu streiten, außerdem machte sie es mir ein bisschen erträglicher. Ich setzte mich auf den Boden und Isac gesellte sich genau daneben. Er legte mir den Arm um meine Schultern und zog mich an sich. Ich genoss seine Wärme und war kurz darauf eingeschlafen.
...
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